Depressions-Therapie: Ozeanische Gefühle

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Nimmt man Psilocybin richtig dosiert ein, kann es eine positiv erlebte «ozeanische» Ich-­Entgrenzung auslösen. (Bild: iStock / rancescoch)

Der aus Pilzen stammende Wirkstoff Psilocybin entgrenzt das Ich und vermindert Ängste. Psychiater Franz X. Vollenweider möchte ihn deshalb für die Behandlung von Depressionen nutzen.

Psilocybin gilt als kleiner Bruder der Hippiedroge LSD und hat wie dieses einen bewusstseinsverändernden Effekt. Franz X. Vollenweider untersucht, wie der Stoff auf unser Gehirn, unsere Emo­tionen und Ich­-Funktionen wirkt. «Nimmt man Psilocybin in einem un­terstützenden therapeutischen Setting richtig dosiert ein, kann es eine positiv erlebte ‹ozeanische› Ich-­Entgrenzung auslösen», sagt Vollenweider, «mit der Lockerung der Ich­Umwelt-­Abgrenzung baut sich ein tiefgreifendes Gefühl der Verbundenheit mit Mitmenschen und Umwelt auf.»

Aber nicht nur das: Vollenweiders Forschung hat auch gezeigt, dass Psi­locybin positiv auf die Emotionsregu­lation einwirkt und Ängste reduziert. Das steht im Widerspruch zur gängigen Vorstellung, dass bewusstseinserwei­ternde Drogen wie LSD oder Magic Mushrooms unweigerlich zum Horror­trip führen. Entscheidend für die Ent­faltung einer positiven Wirkung sei die Dosis, sagt Franz X. Vollenweider, erst ab einer relativ hohen Menge Psilocybin können das kohärente Ich-­Erleben und seine integrierenden Funktionen tat­sächlich zerreissen. Man ist sich dann nicht mehr sicher, ob man selbst noch Urheberin oder Urheber seiner Gefüh­le oder Gedanken ist. Diese Erfahrung kann Angst oder gar Panik auslösen und tatsächlich zum Horrortrip werden.

Stimmt dagegen die Dosierung, hat Psilocybin eine angstlösende Wir­kung – auch bei depressiven Patienten. Dies haben Studien in Vollenweiders Labor deutlich gemacht.

UZH News

Silvie Cuperus

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